Immer noch hier

humps2010-17

Nun, zuerst einmal möchte ich darüber schreiben, wieviele Wale jeden Tag hier im Golf von Maine in Fischerei-Utensilien hängen bleiben. Meistens verfangen sich Schnüre um die Fluke. Die verlangsamen dann das Tier und schneiden mit der Zeit ein, was zum Tod führt. Manchmal verfangen sich auch Netze und Schnüre um den Kopf, die das Tier verhungern lassen. Man sieht auch viele Wale, die mit Bojen rumschwimmen. Die Fischermänner sehen keine Lösung. Die Statistiken sind klar. So kann es nicht weiter gehen. 70% aller Wale im Nordatlantik sind schon einmal hängen geblieben. Leider ist kein Konsens in Sicht. Zwei Männer vom Institut hier (Provincetown Center for Coastal Studies) fahren jeden Tag hinaus und befreien offensichtlich verfangene Tiere. Das ist sehr gefährich und oft erfolglos, da die Wale zu scheu sind oder wütend werden. Hier sieht man wie ein Wal mit einem schwarzen Seil um den Kopf befreit wird. Ein Anker wird über das Tier geworfen, an einer gelben Schnur, der sich dann mit dem schwarzen verkeilt. So kann das Tier entweder Richtung Boot bewegt werden oder man befestigt ein GPS Gerät an den Wal um ihn in den nächsten Tagen verfolgen zu können. Zweiteres gibt Auskunft darüber, ob die schwarze Schnur lebensbedrohlich ist. Über mehrere Tage hinweg kann verfolgt werden, ob der Wal normal frisst und schwimmt.

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Dann möchte ich auch darüber schreiben, dass ich mich an das Leben auf dem Schiff gewöhnt habe. Unser Schiff heisst „Shearwater“ und ist ziemlich klein. Ich hatte die ersten Tage ziemlich Mühe, mich ans rauhe Leben auf hoher See zu gewöhnen. Am ersten Tag war ich seekrank und es war mir viel zu heiss und trocken an der Sonne von morgens früh bis abends spät. Ich bin völlig ausgetrocknet und es war mir so schlecht, dass ich am liebsten von Bord gesprungen wäre. Also wortwörtlich. Dann am zweiten Tag habe ich Tabletten gegen Seekrankheit genommen. Die haben gewirkt. Und wie!!! Ich war high den ganzen Tag und habe Dinge gesehen, die es nicht gibt. Wolken haben getanzt, frohe Farben sind am Horizont erschienen und viele schwarze Tiere im Meer herumgehüpft. Dazwischen bin ich ohne Vorwarnung eingeschlafen und habe nicht gewusst ob ich jetzt für 30 Sekunden oder 8 Minuten weg war.

Nun, ich habe mich für’s Kotzen entschieden. Wir arbeiten rund um die Uhr und ich konnte mir die Arbeitsuntauglichkeit einfach nicht leisten.

Wir arbeiten in 2h Schichten rund um die Uhr. Das macht ziemlich kaputt, aber man gewöhnt sich daran. Am Tag ist es sehr eklig und ich bin immer müde. Aber in der Nacht ist es genial.

Ist jemand schon einmal in der Nacht auf einem kleinen Boot über den grossen Ozean gefahren??? Ich schon. Da vereinen sich der innere und der äussere Frieden. Man vergisst all die Strapazen des Tages und wird ganz glücklich. Jetzt weiss ich, warum ich hier bin. Das ist es, wonach ich mich gesehnt habe. Hier draussen ist die Welt anders. Keine Menschen, kein Stress, keine Enttäuschungen, kein Versagen, kein Druck. Stress und harte Arbeit schon, aber alles richtet sich nach den Buckelwalen. Die alltäglichen Probleme treten völlig in den Hintergrund. Es sind ganz andere Probleme, die uns hier beschäftigen. Und das tut gut.

Der Nachthimmel ist grossartig.

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