Big Sur Feldarbeit

Ich habe Feldarbeit in Big Sur gemacht. Zusammen mit Tommy Williams von NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) und seiner Gruppe. Landscape Ecology Group. Ich kann es selber immer noch kaum glauben. Das war nun schon seit mehreren Jahren mein Traum und jetzt hat es einfach stattgefunden.

Big Sur ist der schönste Ort den ich kenne. Diese Küstenregion ist magisch. Ich kann es gar nicht richtig beschreiben. Wenn ich dort bin, dann passiert etwas mit mir. Die Küste ist wild und das Meer ist rau. Momentan ist die einzige Strasse, Highway 1, gesperrt. Big Sur ist eine lange Bergkette die steil ins Meer abfällt. Es hat viel Nebel, der langsam über die Hügel schleicht. Wenn es lange trocken ist und dann viel regnet, dann gibt es viele Erdrutsche. Dieser Frühling war besonders schlimm. Jetzt ist der HWY1 zu, für mindestens ein Jahr! So mussten wir mit unseren grossen Autos durch das Salinas Tal fahren, dann durch ein Militärgebiet (Fort Hunter Liggett) und auf einer kleinen, kurvigen Strasse über die Berge durch den Los Padres National Forest. Salinas ist eines der produktivsten Ebenen in ganz Amerika, wenn nicht das Produktivste. Die Bauern da verdienen Milliarden. Die Erde ist fruchtbar, es hat viel Sonne und das Wasser nehmen sie vom Grundwasser. Den Fischen bleibt kaum eine Chance. Ich solle unbedingt die Bücher von John Steinbeck lesen. Ich möchte auch das Buch „Cadillac Desert“ von Marc Reisner empfehlen. Das muss man unbedingt lesen. Es geht darin um den Konsum von Wasser im Amerikanischen Westen.

Im Militärgebiet findet man eine aussergewöhnlich hohe Biodiversität. Übrigens auch einen der ältesten Eichenwälder im ganzen Land. Dann fährt man über die trockenen Hügel mit Kakteen und runter in die feuchte und magische Küste. Wir mussten für 2km auf dem HWY1 fahren. Diese Strecke wird jeweils am Morgen und am Abend einmal geöffnet, damit die wenigen Leute, die da wohnen rein und raus und die Kinder zur Schule gehen können. Als wir da gewartet haben, haben wir Maple Mike kennengelernt. Er bewacht die Absperrung. 7 Tage die Woche. 14 Stunden am Tag. Er spricht mit Eichhörnchen und mag Müesli Stengel mit Ahornsirup. Seine Tochter möchte Biologin werden. So hat Tommy sie eingeladen, einmal mit uns ins Big Creek Reserve zu kommen. Dort haben wir Feldarbeit gemacht. Es ist ein Park des UC (University of California) Systems. Genau wie der Angelo Park wo ich das letzte Mal war.

Big Creek Reserve

Tommy untersucht wie Fischpopulationen Änderungen in ihrer Umwelt wahrnehmen und darauf reagieren. Im Big Creek in Big Sur macht er eine Langzeitstudie. Jedes Jahr seit 12 Jahren fängt er Fische während drei verschiedenen Zeitpunkten im Jahr, dies alle 25m in einem Flusssystem von 7 Kilometern. Die Fische werden markiert (mit PIT tag), gemessen und wieder frei gelassen. Mit Sendern im Feld misst er kontinuierlich, wie sich die Fische bewegen. Mit seiner Rückfangmethode misst er, wie sich die Populationsgrösse und Dichte verändert. Die Fische seiner Studie sind Regenbogenforellen und Steelheads. Drum bin ich ja auch auf ihn gestossen. Ein zentrales Thema seiner Studien sind die verschiedenen Überlebensstrategien dieser Fische – ob sie ihr Leben lang im Fluss bleiben oder ins Meer wandern, gross und fett werden, und dann zurück kommen zum Laichen. Big Creek fliesst direkt ins Meer. Atemberaubend.

Diese Jahr hat es ganz viele YOY’s. Das sind Young Of the Year – Fische, die in diesem Frühling geboren sind. Das ist super für mein Projekt! Ich untersuche deren Symbiose mit Bakterien. Letzten Winter hat es nach Jahrzehnten von Dürre in Kalifornien richtig viel geregnet. Die Fische haben darauf reagiert.

Wir haben jedoch auch viele kranke Fische gefunden. Black spot disease. Das ist ein Parasit, ein Saugwurm. Er lebt in Unterwasser Schnecken. Diese werden von den Fischen gefressen. Diese werden wiederum von Vögeln gefressen. Die Vögel kacken in den Fluss und das wird dann von Schnecken gefressen. So schliesst sich der Kreis. Fische mit dieser Krankheit kriegen auffällige schwarze Flecken und können sich schlechter verstecken. Neascus

Neben den Forellen haben wir ab und zu auch eine Groppe (Cottus bairdii) gefangen. Die sind so herzig.

Ab und zu haben auch ein paar Orchideen geblüht. Diese hier sind speziell an Flüsse angepasst. Sie kommen nur hier an der Westküste Mexiko’s, Amerika’s und Kanada’s vor. Genau wie meine Regenbogenforellen.

Und natürlich die scheuen Pumas!

Irgendwie hat es mich traurig gestimmt, dass der HWY1 jetzt einfach zu ist. Man sieht da so viele schöne Sachen. Diesmal hatte es viele wilde Blumen in voller Blüte und auf der anderen Seite im Meer haben wir Seehunde, Delfine und Buckelwale im Vorbeifahren beobachtet. Das wollte ich alles meinem Mami zeigen. Da hinunter zu fahren ist meine schönste Erinnerung in Kalifornien. Mit einem Stop im Nepenthe Café. Beni war einmal dabei. Zum Glück.

Hier ein Blick aus der Dusche im Big Creek Reserve:

Ich versuche herauszufinden, warum mir dieser Ort so gefällt. Zum einen sind es wohl die wilden Mammutbäume. Die leben da. Viele von ihnen sind mehr als 2000 Jahre alt. Sie brauchen Feuer um zu keimen. Und sie brauchen Feuer, um andere Baumarten abzuwehren, denn nur sie überleben einen Waldbrand. Wenn ein Sturm oder ein Erdrutsch kommt, dann kippen sie in den Bach und sterben. Aber halt. Die Wurzeln bleiben meist erhalten und schon bald keim ein neuer Spross. Und lebt weiter. Dann wachsen sie schnell und riesig in den Himmel. Wie ganz stille Riesen. Ich liebe diese Bäume.

Ich kann es kaum glauben. Ich arbeite mit NOAA. Die Arbeit war sehr streng und man musste richtig fit sein. Ich habe mich wohl gefühlt. Für das nächste Mal, meint Tommy, soll ich meine kleine Familie mitbringen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.