Gedanken zum Glück der heterosexuellen Paarbeziehung – am Morgen während meinem ersten Kaffee

Nach der Geburt ist vor der Zerreissprobe

 

Christelle Benz und Valentina Anderegg sind dabei, 307 Schweizer Paare zu analysieren um herauszufinden, wie Kinder unsere heterosexuelle Paarbeziehung verändern. Dies wird bezahlt vom Schweizer Nationalfonds. Die Presse hat diese Studie in den letzten Tagen gross verkauft mit Titeln wie diesem: „ Depressionen, wenig Lust auf Sex: Nur wenige Paare sind sich bewusst, wie stark ein Kind ihre Beziehung gefährden kann.“

 

Schade.

 

Leider vergessen wir manchmal, wie wir für tausende von Jahren gelebt haben und was für Einflüsse uns geprägt und geformt haben. Es liegt in der Natur des Menschen, dass wir uns nur an die letzten 30 Jahre erinnern. Diese kurze Zeit hilft uns dann, eine Meinung zu bilden. Zum Beispiel über das individuelle Glück und wie es uns findet.

 

Frauen haben jahrtausende lang Kinder geboren. Im Schutz der Familie. Männer haben jahrtausende lang Kinder gemacht. Mit diesen Frauen. Dass sich eine Frau nach der Geburt primär um das neue Kind kümmert ist wichtig, damit dieses Kind überlebt. Physiologische Prozesse führen dazu, dass sich die Frau am Anfang völlig auf das Kind konzentriert. Das sind vor allem Hormone. Die vielbeschriebene Depression, das Stillen, der Schlafmangel. All diese Umstände führen zu einem Ausnahmezustand der Frau, der die Überlebenschancen des Neugeborenen maximiert. Ohne diese Umstände würde die Frau wahrscheinlich weg laufen und ihr altes Leben weiterleben. Jahrtausende lang haben die Familienangehörigen Mütter beim Müttersein unterstützt um das Überleben unserer Art zu sichern. Der Mann – jetzt Vater, die Grossmutter, die Geschwister und Halbgeschwister. Die Kusine. Das ist alles völlig natürlich.

 

Natürlich verändert sich dabei die Paarbeziehung. Sie wird jetzt eine Dreierbeziehung. Oder unter Umständen wird man sich jetzt auch bewusst, dass man eigentlich eine erweiterte Siebnerbeziehung lebt. Verallgemeinerungen über die Beschreibung des Glückszustands zu machen finde ich unangebracht. Die Entscheidung, Kinder zu haben ist irreversibel. Es hat schon immer Leute gegeben, die sich dagegen entschieden haben. Die haben dann etwas anderes gemacht um den Erhalt unserer Art zu sichern. Umweltschutz, Entwicklungshilfe, Aufzuchtshilfe ihrer Verwandten, Selbstverwirklichung. Irgendwas. Dann gab es auch schon immer Homosexuelle, die es etwas schwieriger haben, Kinder zu zeugen. Paare mit Kindern mit Paaren ohne Kinder zu vergleichen ist wie der Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Irrelevant.

 

Paare mit Kindern müssen nicht zerrissen werden. Früher gab es wohl häufig Extrapaarbeziehungen während dieser Zeit. Heute gibt es auch noch Gleitcreme. Wenn die Anfangsphase einmal überstanden ist, dann kehrt man mehr oder weniger wieder zurück in die alte Beziehung. Nur jetzt ist sie mehr und oft auch neu. Man muss sich neu finden. Man erkennt sich wieder. Man arbeitet weiter.

 

Frauen haben jahrtausende lang gearbeitet. Auch als Mütter. Während Väter, Grossväter, Grossmütter, Tanten, Kusinen, und Geschwister dabei helfen und die Verantwortung über die Kinder kurzzeitig voll übernehmen kann die Mutter Beeren sammeln, eine Hütte bauen, Hasen jagen, mithelfen ein Mammut erlegen, Artikel schreiben, Ultraschall machen, forschen. Wieder sich selber sein. Mit den Kindern kommt Veränderung, Verantwortung, Aufgabenteilung, Verwandtenliebe.

 

Mit dem Menschen, den man liebt Kinder zu machen und sie dann gross zu ziehen ist für mich Glück. Ich liebe es zu sehen, wie sich die Verwandten umeinander kümmern und vertraut miteinander werden. Vertrauen gewinnen ineinander und in die Welt. Vertrauen und Liebe wird unsere Art erhalten. Unser Glück schmieden wir selber.

 

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