PIT tagging

Während meinen Untersuchungen im Winter 2016 und 2017 in Zusammenarbeit mit Claus Wedekind von der Uni Lausanne, dem Kanton Graubünden (Marcel Michel, Amt für Jagd und Fischerei AJF) und Roland Tomaschett, dem Fischereiaufseher in Trun haben wir bereits einiges über die Bachforellen in Vals gelernt.

Etwa 40% der Weibchen laichen während der Laichzeit nicht. Sie sehen normal und gesund aus. Genetisch stellen sie keine Untergruppe dar. Es gibt keine Anzeichen von Inzucht. Ihr genetisches Geschlecht stimmt mit dem Phänotypen überein. Sie haben kein Y-Chromosom und besitzen normale Ovarien. Wir wissen immer noch nicht warum sie nicht laichen. Diesen Winter möchten wir sie markieren um herauszufinden, ob sie ein Jahr später laichen werden. Vielleicht laichen sie nur jedes zweite Jahr um Ressourcen zu sparen.

Im Rahmen des jährlichen Laichfischfangs in Trun (geplant für den 17. Oktober 2018) schlagen wir vor, eine Stichprobe von laichreifen Rognern, sowie auch eine Stichprobe von unreifen Laichtieren nach Trun in die Fischzucht zu bringen (analog zu den Versuchen in 2017).  In der Fischzucht in Trun werden diese Fische dann nach Laichreife sortiert und sachgemäss betäubt. Die betäubten Fische werden vermessen und mit einem Transponder markiert. Gemessen werden Fischlänge, Gewicht und Fettanteil (ich werde mein persönliches Messgerät mitbringen, das wir erfolgreich für Regenbogenforellen in Kalifornien eingesetzt haben).  Als Transponder werden PIT tags (Passive Integrative Transponders) vorgeschlagen da sie (i) inaktiv sind (senden keine Radiowellen aus und brauchen keine Batterien), (ii) einen individuellen Barcode enthalten und so jedes einzelne Tier wiedererkannt werden kann, (iii) wasserdicht, steril und für das Tier störungsfrei sind.  Die Fische werden nach dem Experiment wieder am natürlichen Laichplatz ausgesetzt.

Beim Laichfischfang ein Jahr später können die Fische individuell wiedererkannt werden und es wird bestimmt werden, welche Fische nun laichen oder nicht. Weiter können dank den individuellen Transpondern auch wertvolle demographische Daten über Laichreife, Fruchtbarkeit und Überlebensraten gesammelt werden. Falls das Aussetzen von Laichen keine natürliche Überlebensstrategie darstellt sondern ein Problem müssen wir herausfinden, was mit den Valser Forellen nicht stimmt. Vielleicht hat es Mikroverunreinigungen im Wasser? Der Steinbruch oder Verhütungshormone könnten da eine Rolle spielen.

Als Vorbereitung für dieses Markierungsprojekt habe ich vor zwei Wochen einen Kurs im Markieren von Fischen in der Warm Springs Hatchery in Geyserville, Kalifornien besucht. Mein Lehrer war Ben White, der lokale Fischereiaufseher.

Linnea durfte seine Fische füttern!

Normalerweise werden die Transponder einfach in die Bauchhöhle eingeführt. Da unsere Fische in Vals aber kurz vor dem Laichen stehen ist das keine gute Idee. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass die Transponder während dem Laichen verloren gehen. Sie können mit den Eiern abgelaicht werden. Deshalb musste ich lernen, wie ich die Fische im Rücken in den dorsalen Muskel markieren kann ohne sie dabei zu verletzen.

Zuerst habe ich mit ein paar toten Silberlachsen (Oncorhynchus kisutch) geübt. Die sind am gleichen Morgen gestorben und ich durfte sie zum Üben brauchen.

Das hat gleich gut geklappt. Als Test habe ich dann meinen Tag wieder gesucht…

Am Nachmittag haben wir zehn junge Regenbogenforellen markiert (2 Jahre alt). Diese Fische hat Ben nach der Markierung eine Woche lang überwacht. Alle haben die Prozedur überlebt und schon nach zwei Tagen war keine Wunde mehr erkennbar.

Da Geyserville nicht gerade auf dem Weg liegt haben wir gleich das Wochenende in der Gegend verbracht und im Zelt an ein paar spektakulären Orten übernachtet.

Hier schlagen wir das Nachtlager auf!

Geyserville heisst nicht umsonst Geyserville. Hier gibt es viele heisse Quellen und Geysire. Wir haben einen verässlichen Geyser besucht. Er hat mich sehr beeindruckt. Und auch motiviert. Während den letzten zwei Wochen habe ich drum mit Cassie unser Paper über Mikroorganismen in heissen Quellen auf der Kamchatka Halbinsel in Russland fertig geschrieben.

Old faithful in Geyserville

Independent Polar Fox Hunter is back in Civilization

Ich möchte gar nicht so viel schreiben. Voller Eindrücke.

Lerne mehr über Prof. Anders Angerbjörn und seine Polarfüchse auf seiner Webseite!

Zwerggans, Spiessente, Pfeifente, Krickente, Reiherente, Trauerente, Samtente, Eisente, Schellente, Mittelsäger, Steinadler, Rauhfussbussard, Alpenschneehuhn (ripa), Auerhuhn, Kranich, Sandregenpfeifer (der geile Siech mit der Sonnenbrille und dem Schal), Goldregenpfeifer (ljungpipare), Alpenstrandläufer, Temminckstrandläufer, Rotschenkel, Bekassine, Odinshühnchen, Falkenraubmöwe (fjälllapp), Sturmmöwe, Wiesenpieper (Ängspiplärka), Bachstelze, Gartenrotschwanz, Steinschmätzer (stenchat), Rotdrossel, Fitis, Dohle, Nebelkrähe, Kolkrabe, Grünfink, Schneeammer, Spornammer.

Carex bigelowii, Krähenbeere (krakbär), Hönsbär, Moltebär, Betula nana, Trollius europaeus (smörbollar), Aconitum septemtrionale (nordisk stormhatt), Saxifraga stellaris (stjärnbräcka), Heracleum archangelica (fjällkvanne), Euphrasia hyperborea (tromsögontrost), Pedicularis sceptrum-carolinum (Kungen Carl’s spira), Dactylorhiza maculata (Jungfru Marie nycklar).

Feldarbeit. Extrem. Kalt für Sommer. Immer Sonne. Heiss. Myggor och knott (mosquitoes and black flies). Sprachengemisch. Supervisor. Professor. Meine Kollegen, die Spinnen. Die Schnaken im Zelt. Unheimlich viel Raum. Wenig Zeit. Vermisste Musik und Spaghetti Napoli mit viel Käse. Digestive. Rentiere. Bin zum ersten Mal richtig braun. Mitternachtssonne. Sauna mit Bier. 20km am Tag mit schwerem Rucksack. Den Observations in 1h30min-Schichten, Walking Observations, Linjeinventering, Percentage Vegetation Cover, Lämmelbon, Hermelinbon, Hermelin-, Lemming-, Hare-, Fox-, Wolverine- and ripa- feces => Silica-Gel. Traps for voles, lemmings and foxes. Weighting, measuring, tagging, recapturing for more measurements.

Der Goldregenpfeifer macht etwa von elf bis zwei Uhr in der Nacht Pause. Sonst ruft er kontinuierlich.

Wenn man da draussen alleine ist, und alles einfach auf sich wirken lässt, dann bleibt man plötzlich stehen und es geschehen die wundersamsten Dinge. Ich habe in mich hinein gehört. Und das war neu. Ich bin manchmal traurig und glücklich gleichzeitig. Und ich bin gern allein. Ich denke an meine Familie. Am meisten an Mami, Papi, Zorro, Grossvati, Jon Paulin und nicht zuletzt meinen Partner. Ich hatte sehr intensive Träume. Ich werde wieder da raus gehen für Forschung. Zuerst geniesse ich jetzt aber die Vorteile der Zivilisation in vollen Zügen.

Prof. Anders Angerbjörn