There, there
17. Mai 2012 um 15:27 Uhr16.1.2012
Manchmal stelle ich mir vor, wie das an einem Cure Konzert wäre. Himmlisch. Ich weiss nicht, ob ich schreien würde oder einfach die Augen schliessen und mit der Musik meditieren. Es muss grossartig sein. 14.-16. Juni in Hultsfred, Schweden.
Heute ist Grossvati’s Geburtstag. Da gibt es wohl nicht soviel dazu zu sagen. Mir war den ganzen Morgen wieder schlecht. Ich habe versucht zu arbeiten, aber ich musste mich immer wieder in mein Büro zurückziehen und an eine weisse Wand schauen, damit es mir nicht hochkommt. Das ist noch ein bisschen schwierig. Nach einem Apfel und ein paar Brocken hartem Weissbrot ging es viel besser. Ich muss mich nur daran gewöhnen. Das kommt schon gut. Um 12 habe ich dann endlich mit der Laborarbeit begonnen. Und bis jetzt durchgearbeitet (20 Uhr im Zug von Lausanne nach Bern). Alle 2 Stunden gab es eine kleine Pause mit hartem Weissbrot. Das ging perfekt. Jetzt hab ich das also schon ziemlich im Griff. Seit dem 9. Januar ist mir nämlich immer schlecht. Zuerst dachte ich, ich hätte Grippe. Blieb zwei Tage zuhause. Aber es wurde nicht besser. So arbeitete ich eine Woche. Mehr schlecht als recht. Aber es ging. Es gab verrückt viel zu tun und ich habe extrem viel erledigt. Zwei Tage ist Donny nach Lausanne gekommen und hat mir geholfen. Wir hatten es sehr schön. Haben im Büro unter meinem Schreibtisch geschlafen und viel gearbeitet. Dann dieses Wochenende war es wieder so schlecht, dass ich nur im Bett war. So habe ich mir an der Bahnhofapotheke einen Test gekauft. Bin ja nicht blöd. Das Resultat war fett und deutlich. Zuerst war ich schon sehr überrascht. Das habe ich nicht erwartet. Und doch geplant. Seit dem 15. Juli 2010 geplant. Aber es hat nie geklappt. Deshalb war die Überraschung umso grösser. Ich wollte Donny nicht sagen, aber er hat es schon nach etwa 2h mit mir gemerkt. Dem kann man nichts vormachen. Er ist froh. Wir tun beide als ob nichts wäre.
Aber das ist verrückt schwierig wenn einem den ganzen Tag zum Kotzen schlecht ist. Janu. Ich möchte es jetzt nur nicht verlieren. Ich geb mir Mühe.
Was mich zum Kotzen bringt: Kaffee, Bier, Zigaretten, Caramelglacé, Pasta, Gestank.
Was mich glücklich macht: Donny, meine Familie, mein Zustand und The Cure. Und die Fotos von der Schwedenfamilie.
18.1.2012
Im Zug nach Hause um 21 Uhr. Es wird immer besser. Gestern hatte ich nur am Morgen bis etwa um 3 Uhr nachmittags schlecht. Und heute nur am Morgen bis am Mittag. Meine Strategie mit weissem, harten Brot und Äpfeln funktioniert gut. Gestern habe ich jedoch die Zugfahrt am Morgen kaum ertragen. Ich kann jeden riechen. Als ob ich das Riechen neu erlernt hätte. Alle Arten von Gerüchen kommen mir entgegen. Im Zug ist es dann einfach zuviel. Besonders am Morgen. Es hatte so viele Leute im Zug, die gestunken haben. Das war schrecklich. Man kann kein Fenster öffnen, man hat kaum Platz und ich kriege fast ein bisschen Platzangst. Deshalb bin ich dann am Abend mit dem Auto heim. Da kann ich lüften und kotzen wie ich will. Ich bin sehr froh, dass ich es jetzt besser im Griff habe mit der Übelkeit. Ich kann nun auch wieder normal arbeiten. Ich bin mir aber sicher, dass ich ein bisschen an Gewicht verloren habe. Habe ja kaum richtig gegessen die letzten Tage. Nur an meinen Äpfeln und Broten genibbelt. Ich freue mich.
20.1.2012
Der erste Morgen an dem mir nicht schlecht ist. Habe an der Uni unter dem Tisch übernachtet. Vielleicht haben wir zuhause schlechte Luft? Auf jeden Fall geniesse ich jetzt den stressfreien Morgen
23.1.2012
Die erste Aufregung hat sich gelegt und Zweifel schleichen sich ein. Ob das wohl gut kommt? Die Übelkeit habe ich nun ziemlich gut im Griff. Reis, Brot, Früchte. Das hilft. Pasta sind nun auch auf der Grusig-Liste. Janu. Wochenende hatten wir viel Sex und ich habe etwa 10kg Früchte gegessen. Sonst habe ich nur geschlafen. Ich kann in meinem Zustand immer schlafen. Das ist eigentlich toll. Juan und Emily reden die ganze Zeit von Juan’s Schwägerin, die anscheinend in der 7. Woche schwanger ist. Die hat beim Ultraschall schon Herztöne gesehen! Ob das wohl stimmt? Ich nehme es gelassen.
9.2.2012
Es ist schon einige Zeit vergangen und viel ist passiert. Donny trinkt jetzt regelmässig meinen Kaffee und mein Bier. Ich habe mich an meine gute Nase und an die Übelkeit gewöhnt. Ich habe sogar das Gefühl, dass die Übelkeit langsam nachlässt. Am 6. Februar waren Donny, Mami und ich bei Rechenberg. Es war sehr spannend und Rechenberg hat einen sehr kompetenten Eindruck bei mir Hinterlassen. Ich bin froh, dass alles so gut läuft. Ich freue mich auf Bubretsch. Nach diesem Gespräch sind Donny und ich zu Locher gegangen für eine erste Untersuchung. Wir haben noch gar niemandem etwas gesagt. Die Helferinnen bei Locher waren ziemlich überrascht. Locher selber ist immer ziemlich undifferenziert. Alles sieht gut aus und wir hatten kaum Fragen. Ich darf anscheinend mehr oder weniger machen was ich will. Einfach nicht rauchen und keine Alkohol-Exzesse. Ich nehme jetzt auch Folsäure. In vier Wochen müssen wir dann einen Test machen der die Wahrscheinlichkeit berechnet, dass etwas nicht stimmt. Der Test ist aber nicht-invasiv, man misst einfach Längen im Ultraschall. Wir haben zum ersten Mal Ultraschall gemacht. Das war sehr schön. Der Köbi hat viel gestrampelt. Donny meinte, er hätte Ultraschall nicht gern. In meinem Buch habe ich verschiedene statistische Tests gemacht und die besagen, dass wir ein Mädchen kriegen. Mal sehen.
Später ist Donny nach Disentis gefahren und ich bin heim zu Mami. Ich habe es nicht mehr ausgehalten, ohne es ihr zu sagen. Sie hat ein bisschen komisch reagiert. Sie sagte „oh nein!“. Aber ich habe sie wohl ziemlich überrumpelt.
Hej hej
Ihr
seid wohl noch unterwegs.
Ich bin irgendwie schon ein Rindvieh !!! ich war so überrascht, dass mir gerade die Sprache wegblieb.
Ich freue mich nähmlich riesig, ich denke nur noch an Euch und male mir aus wie es sein wird, wenn Du ein Kind hast und ob ich dann auch manchmal dabei sein darf und ob es dann so schön wird wie mit Ennio ect ect ect
Wenn Du dann in Bubretsch wohnst am Anfang, dann komme ich oft hinauf und helfe Dir wenn Du willst
Also das wollte ich Dir einfach noch sagen, ich kann halt nicht so gut ausflippen vor Freude ……
Kannst Du mir noch den Weg beschreiben zur Wohnung
Puss Puss bis Morgen Mutter
Ich habe dann am 7. Februar auch noch mit Claus geredet. Ich habe die Türe geschlossen und war ziemlich nervös. Er hat sehr gut reagiert. Er freut sich riesig und er hat mich umarmt und gemeint das sei alles super. Er hat viel geredet und geredet und dann war es ihm fast peinlich, dass er soviel zu sagen hat. Er meint, dass es einfach nur schön sei. Es gäbe dann viel zu organisieren, aber eigentlich gehe alles so gut wie vorher. Vielleicht sogar noch besser. Man werde viel effizienter und man habe die Kleinen lieber als alles andere. Er meinte auch, dass man mit den Kleinen Karriere machen könne und das Reisen kein Problem sei. Er hat mich dann aber auch zur Sekretärin geschickt, um alles herauszufinden, was ich wissen muss. Das habe ich dann gestern gemacht. Sylvie war sehr nett. Sie hat mir alles ausführlich erklärt. Ich habe fast nur Rechte und kaum Pflichten. Die Midthesis darf ich sogar während dem Mutterschaftsurlaub machen. Frei kriege ich entweder 3 Monate wenn ich nicht stille oder 4 Monate wenn ich stille (alles 80% bezahlt). Falls ich mehr will, dann kann ich es unbezahlt nehmen. Aber diese Gefahr besteht nicht, ich will wohl eher weniger. Aber das darf man nicht wegen der Versicherung.
Gestern war dann Mami auch auf Besuch in Bern. Wir sind zusammen an die Lentulustrasse 63 gegangen um eine Wohnung anzuschauen, die Donny sehr gut gefällt. Und sie war der Hit! Wirklich schön. Alt, renoviert, mit grosser Küche, die auf einen Balkon hinausführt, der dann wiederum in den Garten führt. Einen Garten für uns alleine! Ich fand es super. Ich habe Donny gesagt, er muss sofort unterschreiben, wenn der Vertrag in Disentis ankommt. Das hat er nun schon gemacht. Mit Mami war es sehr schön. Sie freut sich riesig. Das tut sehr gut. Sie ist auch sehr praktisch eingestellt. Wie Claus. Sie meint, dass dann alles irgendwie geht. Es ist richtig schön zu sehen, wie sie sich freut. Ich bin viel ruhiger geworden. Ich habe kaum mehr Zweifel. Ich werde mir auch immer mehr bewusst, dass ich momentan nicht alleine bin, sondern, dass da noch ein Kleiner in meinem Bauch drin ist. Das ist sehr angenehm. Wahrscheinlich hat man auch viele Glückshormone in dieser Zeit. Ich würde es cool finden, wenn ich bald einmal etwas spüren könnte!
19.2. 2012
Never let me down again.
Ich weiss nicht, ob ich mich jemals so stark gefühlt habe. Auf jeden Fall habe ich noch nie soviel gearbeitet wie gerade jetzt. Überstunden jeden Tag. Auch am Wochenende. Und dann noch Zügeln mit Donny im Disentis. Ich bin kaum müde. Schlecht ist mir fast nie. In schwachen Momenten träume ich von Reis Kazimir. Es geht immer weiter und es dreht alles immer schneller. Ich bin eine Löwin. Ich habe das Gefühl, ich kann alles erreichen was ich will. Ich erinnere mich an Momente in meiner Kindheit. Da habe ich das Gleiche gefühlt. Jetzt schliesst sich der Kreis. Ich weiss nicht, ob ich jemals so glücklich war. Ich glaube, jetzt könnte ich gehen. Irgendwo in eine andere Welt. Und ich hätte das Gefühl, dass alles gut war. Mami ist glücklich. Ich freue mich mit ihr. Donny versucht mich zu beschützen. Und sogar er freut sich. Ich hoffe, dass dies alles noch lange andauert. Ich weiss jedoch, dass alles ein Ende hat. Momentan drücke ich einfach immer wieder und wieder auf „Replay“.
14. März 2012
Ich sitze im Zug nach Lausanne. Das ist auch die Zeit, in der ich normalerweise schreibe. Der Frühling kommt. Es ist angenehm draussen. Es riecht gut, die Vögeli pfeifen und es ist ziemlich warm. Ich arbeite unglaublich viel. Ich denke, ich bin einem Burnout relativ nahe. Daneben sind wir ja noch am Umziehen. Ich sehe das Umziehen als Ferien von der Arbeit, aber es ist sehr streng. Letzte Woche hatte ich immer wieder diese Heulkrämpfe. Musste einfach heulen wie verrückt. Am besten dagegen hilft es zu essen. Fleisch und Salat. Meine Lieblingsspeise. Das hilft immer. Ich sehe Werbezeitschriften von COOP und MIGROS und ich schaue mir die Werbung fürs Fleisch an. Für eine ganze Weile. Das finde ich spannend und fein. Mami hilft uns sehr viel. Das ist sehr schön. Ich fühle mich so viel sicherer.
Man erwartet halt von den anderen Leuten, dass sie sich mit einem freuen. Ich denke, das ist besonders beim ersten Kind so. Für mich ist alles neu und aufregend. Es gibt fast keinen Moment wo ich nicht daran denke. Ich möchte gerne jeden Augenblick auskosten aber die Zeit vergeht viel zu schnell und ich bin die meiste Zeit am Arbeiten. Deshalb tun diese kleinen Auszeiten gut mit Mami. Sie freut sich eben auch riesig. Ich habe mir viele Sorgen gemacht in den letzten Wochen. Es hat wohl alles angefangen mit dem Moment als mir erzählt wurde, dass das Kind plötzlich tot ist. Das hat mich ziemlich geschockt. Das Schockgefühl ist lange geblieben. Wir sind jetzt zu zweit. Es ist schwierig vorzustellen, dass der kleine Wicht einfach tot ist. Genauso schwierig ist es sich vorzustellen, dass der kleine Wicht raus kommt. Aber sich vorzustellen, dass der kleine Wicht in mir drin ist, dass ist einfach. Es ist einfach so.
19. März 2012
Letztes Wochenende habe ich diese Konferenz organisiert und geleitet in Churwalden. Es war ein voller Erfolg. Wir hatten 7 eingeladene Gastsprecher aus aller Welt und 22 Studenten, vorwiegend aus der Schweiz. Donny hat mir viel geholfen. Aber es ging sehr gut. Geschlafen habe ich bei Walli, dass ich auch ab und zu zur Ruhe komme. Walli ist ganz ein Lässiger! Ich kann jetzt nicht mehr arbeiten soviel wie es geht. Manchmal lege ich mich hin und schlafe ein. Mitten am Tag. Aber ich bin immer noch ganz glücklich. Ich fühle mich eigentlich wieder ganz normal. Nächstes Wochenende zügeln wir also an die Lentulusstrasse.
4. April 2012
Endlich Ferien. Ich habe ausgerechnet, dass ich seit 18 Wochen keine Ferien mehr hatte. Die Wohnung in Disentis ist nun abgegeben. Die Wohnung in Bern ist vollständig eingerichtet. Luzia wird da über Ostern wohnen. Mami, Donny und ich fliegen nach Stockholm. Nach Hause. Das ging lange. Der Frühling hier in der Westschweiz ist sehr schön. Manchmal versuche ich mit meinem Kind zu reden. Ich komme mir dann aber eher blöd vor. Aber gestern habe ich in vollem Ernst von der schönen Schweiz erzählt, in die Köbi hinein geboren werden wird. Ich bin nicht patriotisch. Ich finde vieles hier zum Auswandern. Aber wenn man nur so im Zug sitzt und raus schaut, dann ist es hier verrückt schön.
Die letzten Wochen waren sehr bedrückt. Ich war oft verzweifelt. Das Zügeln hat viel mehr Kraft gekostet als ich dachte. Ich merke nichts von diesem zweiten Trimester Power-Hoch. Locher meinte, dass ich jetzt die nächsten vier Wochen einfach nur ruhen solle. Und ein bisschen zunehmen. Das sind doch gute Aussichten. Wenn mir jemand sagen würde, dass ich nicht mehr schwanger sei, dann würde ich das glauben. So fühle ich mich. Einfach nur müde. Bei der Arbeit rollt alles. Da kann ich mich nicht beklagen. Ein Projekt meiner vier Projekte ist jetzt abgeschlossen und publizierbar. Nur leider will mein Scheff zuerst noch zwei andere Projekte publizieren, die ich dann in meiner Publikation erwähnen soll. So bleibt mir nichts anderes übrig, als zu warten. Das Projekt meiner Masterstudentin kommt auch ins Rollen und es macht mir Spass, sie zu betreuen. Mein RNA-seq Projekt ist bald bereit fürs Sequenzieren. Wenn nur meine Kollaboratöre nur nicht so oft Ferien machen würden!!! Mein Carotenoid-Projekt ist auch am Warten weil die Neuchâteler noch in den Ferien sind. Und zu guter Letzt mein Metagenomics Projekt, das eigentlich mein eigentliches Projekt wäre, schiebe ich immer auf. Ab dem 16. April werde ich mich dahinter klemmen. Aber wahrscheinlich laichen die Bündner Äschen dieses Jahr zu früh und ich muss für die ausrücken und mein eigentliches Projekt weiter aufschieben. Es bleiben mir also noch 4 Monate, um es abzuschliessen. Mein Ziel ist, alle meine momentanen Projekte bis Ende August abzuschliessen. Dann muss ich meine Mid-Thesis einreichen und dann hab ich frei bis am 12. Dezember. Dann wird mein Leben auf den Kopf gestellt und ich weiss gar nicht mehr ob ich mich so freue. Also wenn ich sehr objektiv darüber nachdenke, dann freue ich mich nicht. Bis jetzt macht Köbi alles nur komplizierter und ich merke, dass mein Körper viel empfindlicher auf Ärger oder Hunger reagiert. Aber dann gibt es diese kleinen Momente wo ich es das Grösste finde. Vor kurzem bin ich in der Badewanne eingeschlafen am Abend spät. Als ich wieder aufwachte war mein Körper völlig entspannt. Alle Bauchmuskeln haben geschlafen, der Bauch war flach und da hab ich beim Nabel so einen Hügel entdeckt. Das hat sich wie ein kleiner Vogel im Bauch angefühlt. Das war das Grösste. Ich bewege mich hier auf absolutem Neuland. Ich weiss überhaupt nicht, ob ich dazu bereit bin. Ich dachte, dass ich es will. Aber ich bin mir nicht mehr so sicher. Ich bin doch selber noch ein Kind. Es tut gut, Donny an meiner Seite zu haben. Für ihn ist das alles das Normalste auf der Welt. Er hat den Papa-Kurs bestanden. Am besten tun mir momentan Mami und Luzia. Für die ist – scheint es auch was ganz Grosses zu sein.
12. April 2012
Wieder im Zug nach Lausanne. Nach 7 Tagen wunderbaren Ferien in Schweden mit Mami und Donny. In Stockholm haben wir drei in Solveig’s Wohnung gewohnt. Solveig und ihre Familie waren in den Skiferien in Nordschweden. Wir haben viel geschlafen, uns ausgeruht und nur ganz schöne Sachen gemacht. Astrid getroffen, Millesgården, IKEA, Skansen, Rosendål, Wasa Museum und alte Freunde getroffen. Ich konnte mich so richtig erholen. Es war wunderschön. Die letzten beiden Tage haben wir dann noch mit Solveig und ihrer Familie verbracht. Das war auch sehr schön. Ich fühle mich als Teil ihrer Familie. Man gehört einfach dazu. Mein Schwedisch funktioniert immer noch. Stockholm ist ein Nest inmitten der Welt das einem verbirgt und schützt. Jetzt bin ich zurück in der Schweiz. Donny und ich haben auf blocket einen Wagen für Köbi gekauft und ihn im Flugzeug mitgenommen. Von Brio, wie ein Schweizer Sackmesser mit allem drum und dran. Das war sehr romantisch. Das habe ich gebraucht um der Sache ein bisschen näher zu kommen. Von Greta, Axel und Edit habe ich ihre Lieblingskleider bekommen, die ihnen zu klein sind. So rolle ich zurück zur Arbeit. Die nächsten beiden Wochen steht Feldarbeit in St. Moritz mit den Bündner Äschen an. Das wird ein Riesenprojekt!
16. April 2012
Das Leben ist viel zu kurz um Trübsal zu blasen. Die Arbeit macht Spass. Mein Mann ist der grösste Schnügel der Welt und bald, bald kriegen wir einen Zworgeli-Donny, der auf der unteren Etage rumwuselt.
3. Mai 2012
Erster Teil der Feldarbeit vorbei. Es war sehr streng mit Schneeschaufeln, viel herumlaufen, im Inn herumkriechen und schwere Sachen tragen. Ich habe nicht gedacht, dass es nach dem Zügeln nochmals so streng wird. Ich bin anscheinend sehr belastbar. Mein Körper sagt mir nicht, wann ich aufhören soll. Ich muss es wohl mit dem Verstand tun. Wir hatten wieder Ultraschall. Mami war auch dabei. Das war sehr schön. Leider hat man das Poppi kaum gesehen. Nur einzelne Abschnitte. Die Hände – beide auf dem Kopf. Die Wirbelsäule. Ein Bein. Das Gesicht. Wie ein Alien. Locher meinte, es sei eher klein und ich sollte es jetzt wirklich ein bisschen ruhiger nehmen. Also ich versuche es ja. Aber nicht wirklich. Jetzt bin ich mitten in der Feldsaison von St. Moritz. Aude, meine Masterstudentin braucht viel Unterstützung. Ich muss ihr alles zeigen. Sie ist ziemlich unselbstständig. Aber sie meint es gut und sie ist sehr nett. Das Projekt mit ihr macht eigentlich sehr viel Spass. Es ist einfach so anstrengend. Daneben möchte ich jetzt endlich das RNA-seq Projekt einschicken. Claus hat mir noch extra Geld versprochen, wenn ich ein paar mehr Väter sequenziere weil es für die Gruppe sehr spannend wäre, Variation im Sire Effekt zu sehen. Jetzt muss ich noch mehr RNA extrahieren. Mehr Laborarbeit, mehr Phenol und giftige Stoffe. Mehr Stress. Weniger Zeit für mich und für meine statistischen Auswertungen vorläufig. Ich werde versuchen, das so schnell wie möglich zu erledigen. Heute infizieren Aude und ich ihre Eier. Es sind ja eigentlich meine Eier. Ich habe die Fische gefangen, gestreift, die Eier verteilt, nach Lausanne gebracht und dort gehegt und gepflegt. Aber was solls. Ich bin zufrieden mit meiner Arbeit. Donny ist sehr lieb mit mir. Chrige wird im Januar heiraten. Das Leben rast im Eiltempo an mir vorbei. Ich wäre so froh, wenn ich das Poppi bald spüren könnte. Ich hatte das Gefühl, dass ich es vor 2 Wochen ein bisschen gespürt habe. Aber seither habe ich es nie mehr gespürt. Ich komme auch kaum zur Ruhe. Ein freier Tag würde vielleicht helfen. Einfach nur ausruhen und in mich hineinhören.
7. Mai 2012
Im Zug nach Bern. Mein Auto ist im Service. Ich hab es ganz gern. Der SAAB von Mami war grad auf dem Schragen, als ich meines gebracht hat. So nackt und ohne Räder mit der Motorhaube offen. Hat sich wohl gefreut, als der Aygo auch kam.
Heute war ich im Feld mit Aude. Ich habe sie bald soweit, dass sie alleine raus kann. Leider denkt sie noch nicht so richtig selber. Sie würde sicher etwas Wichtiges vergessen. Und dann wär all die Arbeit zuvor für die Katz.
Wir haben noch immer keine Gotte. Einen Götti haben wir. Den haben wir sehr früh gesetzt. Leider nimmt der nicht so richtig Teil an der ganzen Schwangerschaft. Aber das kann man ja auch nicht verlangen. Es ist wohl für die Aussenstehenden schwierig zu verstehen, was hier vor sich geht. Es ist nämlich gewaltig. Es ist nicht einfach normal. Es ist wunderbar. So ein neues Menschlein zu erzeugen.
8. Mai 2012
Gestern als ich nach Hause kam war die ganze Wohnung schön aufgeräumt. Das Bett war gemacht und die Küche war super. Das hat Donny alles am Samstag für mich gemacht. Ich kann manchmal gar nicht verstehen, wie lieb Donny mit mir ist. Er sagt, das Einzige, was er für mich und das Kind tun könne sei mich gesund und bei guter Laune zu halten. Nicht mehr und nicht weniger. Und er ist sehr gut darin. Er bekocht mich mit viel Fleisch und Gemüse wenn es mich glustet und danach sagt er mir, ich sei „a skinny mommy“. Er hört mir immer zu, wenn ich über die Schwangerschaft reden möchte und er bietet mir Hilfestellung wenn ich nicht mehr weiter weiss. Das was wir hier haben ist vielleicht das Wundervollste was es gibt. So leicht und schön. Ich möchte ihn immer anschauen und mit ihm sein.
17. Mai 2012
Auffahrt. Ich bin auf dem Weg zur Arbeit. Heute haben alle Kinder frei und man sieht all die Eltern unterwegs mit ihren Kindern. Es sind wohl die gleichen Erwachsenen, die ich normalerweise im Zug sehe. Aber heute haben sie halt noch Kinder dabei. Irgendwie erscheint mir da an diesem Bild etwas falsch. Ist es wirklich so, dass wir an normalen Arbeitstagen unseren Kinder versorgen müssen und sie nur mitnehmen können, wenn wir Feiertage haben? Zum Glück bin ich Biologin. Jacoby kommt mit zur Feldarbeit. Ich werd’ ihn ab und zu wohl auch zu Seminaren mitnehmen oder für kleine Laborarbeiten. Und wenn wir an Konferenzen gehen und ich Talks geben muss, dann kommt Donny auch mit und geht mit ihm spazieren.
Gestern habe ich mit zwei Post-doc Frauen geredet, die beide kleine Kinder haben. Beide haben mir erzählt, dass es unmöglich ist, eine gute Karriere hinzulegen und gleichzeitig Kinder zu haben. Man werde diskriminiert und man habe keine Zeit. Weder für das eine noch für das andere. Ich habe dazu nur zwei Fragen:
1) Helfen denn deren Männer nicht? Sind deren Männer vielleicht zu sehr mit ihrer eigenen Karriere beschäftigt? (In diesem Fall hatte ich recht, der eine ist Assistenzarzt, der andere ist selber post-doc und group leader.)
2) Haben denn diese Frauen ernsthaft gedacht, dass sie erfolgreich in Academia sein werden, bevor sie Kinder hatten? Sind das nicht von vornherein unrealistische Erwartungen? Wenn es bei mir in Academia nicht klappt, dann werde ich nicht Jacoby die Schuld geben. Denn es hätte wohl eh nicht geklappt. Auch ohne Jacoby.























































































