in der Fischzucht

In letzter Zeit wurde ich von verschiedenen Seiten gefragt, was ich eigentlich die ganze Zeit arbeite und warum das alles so lange dauert. Hier kommt die Antwort. Ich kümmere mich um tausende von kleinen Forellenbabies. Es sind die Nachkommen der Fische, die ich am 28. Oktober gezeigt habe (im Glenner, der eigentlich der Valserrhein war). Ich schaue jeden Tag, wie es den Kleinen geht. Zuerst sieht man für lange (sehr lange) Zeit nichts. Nur ein paar orange Eier mit roten Linien drin. Dann plötzlich schlüpft daraus eine Fischlarve mit grossem Dottersack. Diese Larven kontrolliere und messe ich jeden Tag.

 

Zwischendurch gibt es auch noch Tage wo ich zusätzlich zu dieser Arbeit die Gene der kleinen Fische extrahiere. Zu guter Letzt gibt es auch noch Tage, wo ich die Bakterien beschreibe, die auf den Fischen wachsen. Die unterscheiden sich nämlich nicht nur zwischen den verschiedenen Entwicklungsstadien der Fischbabies, sondern auch zwischen unterschiedlichen Flüssen woher die Fische kommen, und sogar abhängig davon, wer die Eltern der Fischlein waren. Valser, Tavanasner, Trunser, Bachforellen oder Regenbögler.

 

ein Ei

ein Ei

viele Eier

viele Eier

larven

frisch geschlüpft

round_tavanasa

eine Woche alt

Wir haben den ruark vom Estrich geholt…

Spotify gibt mir meine Statistik 2016.

Meistgespielte Lieder:

1) All That She Wants by Clea Vincent (original by Ace of Base)

From Spotify – very hard to find

2) Rio – Bucovina Dub by Shantel

3) The Rifle’s Spiral by the Shins

4) Powerful (feat. Ellie Goulding & Tarrus Riley) by Major Lazor

5) Es schneielet es beielet by Schlieremer Chind

6) Fade Out Lines by The Avener & Phoebe Killdeer

7) De Hans im Schnäggeloch by Schlieremer Chind

8) Far from Any Road by The Handsome Family

9) Marcus Garvey by Sinéad O’Connor

10) Hail Ras Tafari by Protoje

… ja, Linnea hat ihren Teil dazu beigetragen (Nr. 1 (immer und immer wieder!!!), 5, und 7).

 

Ja und wenn wir schon dabei sind:

We’ll be chilling in the West Indies with sunshine, rivers and trees… mein Lieblingsvideo.

Kurz und klar – was ich vorhabe in Kalifornien in 2017

Die Lebensgemeinschaft der Forelle und ihrer Bakterien

 

Bilden Fische eine Lebensgemeinschaft mit den Bakterien die sie besiedeln? Alle mehrzelligen Lebewesen sind von Bakterien besiedelt, die wichtige Funktionen für ihren Träger übernehmen können. Besonders Darmbakterien spielen hier eine bedeutende Rolle. Untersuchungen solcher Bakterien führten in den letzten Jahren zu erstaunlichen Erkenntnissen. So haben verschiedene Forschungsgruppen aufgezeigt, dass diese winzig kleinen Mitbewohner nicht nur unsere Verdauung beeinflussen, sondern auch die Resistenz gegen Krankheiten und sogar den Gemütszustand. Ferner sind Bakteriengemeinschaften extrem vielfältig und unterscheiden sich vom einen Träger zum anderen stark. Folglich wissen wir wenig darüber, welche Faktoren die Vielfalt von Bakterien bestimmen und ob Bakterien an Nachkommen weitergegeben werden.

 

Für meine Arbeit habe ich die Regenbogenforelle in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Nordamerika ausgewählt. Denn diese Fische eignen sich besonders weil sie eine von zwei unterschiedlichen Lebensweisen auswählen: Entweder sie bleiben ihr Leben lang im Süsswasser oder sie wandern als Jungfische ins Meer, um erst für die Paarung wieder zu ihrem Ursprungsfluss zurück zu kehren. Dies führt zu physiologischen, morphologischen und verhaltenstypischen Unterschieden, welche ein spannendes System darstellen, um die Bedeutung von Bakterien für ihren Träger zu studieren. Überdies sind mit Regenbogenforellen gezielte Experimente im Labor möglich. Dort kann die Interaktion zwischen dem Träger und seinen Bakterien manipuliert werden und störende Umweltfaktoren sind ausgeschlossen. In diesem Projekt werde ich aufzeigen, wie Bakterien an Nachkommen weitergegeben werden und denen dabei helfen, sich an verschiedene Lebensbedingungen anzupassen.

Gedanken zum Glück der heterosexuellen Paarbeziehung – am Morgen während meinem ersten Kaffee

Nach der Geburt ist vor der Zerreissprobe

 

Christelle Benz und Valentina Anderegg sind dabei, 307 Schweizer Paare zu analysieren um herauszufinden, wie Kinder unsere heterosexuelle Paarbeziehung verändern. Dies wird bezahlt vom Schweizer Nationalfonds. Die Presse hat diese Studie in den letzten Tagen gross verkauft mit Titeln wie diesem: „ Depressionen, wenig Lust auf Sex: Nur wenige Paare sind sich bewusst, wie stark ein Kind ihre Beziehung gefährden kann.“

 

Schade.

 

Leider vergessen wir manchmal, wie wir für tausende von Jahren gelebt haben und was für Einflüsse uns geprägt und geformt haben. Es liegt in der Natur des Menschen, dass wir uns nur an die letzten 30 Jahre erinnern. Diese kurze Zeit hilft uns dann, eine Meinung zu bilden. Zum Beispiel über das individuelle Glück und wie es uns findet.

 

Frauen haben jahrtausende lang Kinder geboren. Im Schutz der Familie. Männer haben jahrtausende lang Kinder gemacht. Mit diesen Frauen. Dass sich eine Frau nach der Geburt primär um das neue Kind kümmert ist wichtig, damit dieses Kind überlebt. Physiologische Prozesse führen dazu, dass sich die Frau am Anfang völlig auf das Kind konzentriert. Das sind vor allem Hormone. Die vielbeschriebene Depression, das Stillen, der Schlafmangel. All diese Umstände führen zu einem Ausnahmezustand der Frau, der die Überlebenschancen des Neugeborenen maximiert. Ohne diese Umstände würde die Frau wahrscheinlich weg laufen und ihr altes Leben weiterleben. Jahrtausende lang haben die Familienangehörigen Mütter beim Müttersein unterstützt um das Überleben unserer Art zu sichern. Der Mann – jetzt Vater, die Grossmutter, die Geschwister und Halbgeschwister. Die Kusine. Das ist alles völlig natürlich.

 

Natürlich verändert sich dabei die Paarbeziehung. Sie wird jetzt eine Dreierbeziehung. Oder unter Umständen wird man sich jetzt auch bewusst, dass man eigentlich eine erweiterte Siebnerbeziehung lebt. Verallgemeinerungen über die Beschreibung des Glückszustands zu machen finde ich unangebracht. Die Entscheidung, Kinder zu haben ist irreversibel. Es hat schon immer Leute gegeben, die sich dagegen entschieden haben. Die haben dann etwas anderes gemacht um den Erhalt unserer Art zu sichern. Umweltschutz, Entwicklungshilfe, Aufzuchtshilfe ihrer Verwandten, Selbstverwirklichung. Irgendwas. Dann gab es auch schon immer Homosexuelle, die es etwas schwieriger haben, Kinder zu zeugen. Paare mit Kindern mit Paaren ohne Kinder zu vergleichen ist wie der Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Irrelevant.

 

Paare mit Kindern müssen nicht zerrissen werden. Früher gab es wohl häufig Extrapaarbeziehungen während dieser Zeit. Heute gibt es auch noch Gleitcreme. Wenn die Anfangsphase einmal überstanden ist, dann kehrt man mehr oder weniger wieder zurück in die alte Beziehung. Nur jetzt ist sie mehr und oft auch neu. Man muss sich neu finden. Man erkennt sich wieder. Man arbeitet weiter.

 

Frauen haben jahrtausende lang gearbeitet. Auch als Mütter. Während Väter, Grossväter, Grossmütter, Tanten, Kusinen, und Geschwister dabei helfen und die Verantwortung über die Kinder kurzzeitig voll übernehmen kann die Mutter Beeren sammeln, eine Hütte bauen, Hasen jagen, mithelfen ein Mammut erlegen, Artikel schreiben, Ultraschall machen, forschen. Wieder sich selber sein. Mit den Kindern kommt Veränderung, Verantwortung, Aufgabenteilung, Verwandtenliebe.

 

Mit dem Menschen, den man liebt Kinder zu machen und sie dann gross zu ziehen ist für mich Glück. Ich liebe es zu sehen, wie sich die Verwandten umeinander kümmern und vertraut miteinander werden. Vertrauen gewinnen ineinander und in die Welt. Vertrauen und Liebe wird unsere Art erhalten. Unser Glück schmieden wir selber.

 

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Ein spannender Beitrag

Ein aufmerksamer Leser hat mich darum gebeten, hier ab und zu einen kurzen, spannenden Beitrag zu hinterlassen. Ich beginne heute mit zwei Bildern von geschlechtsreifen Weibchen derselben Art, die in unterschiedlichen Gewässern aufgewachsen sind. O. mykiss. Die erste hat ihr Leben in einem kleinen Fluss an der Küste Kalifornien’s verbracht und die zweite bei Roland Tomaschett in der Fischzuchtanstalt in Trun.

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WSL

Nur ein kleiner Bericht heute. Ich habe meine Zusammenarbeit mit Felix Gugerli und Rolf Holderegger am WSL begonnen. Es gefällt mir sehr hier in Birmensdorf. Die Leute sind ausgesprochen freundlich und erfrischend. Der Abfall wird getrennt und entsorgt, und im Labor ist alles picobello. Ich freue mich schon auf ein paar spannende Seminare. In der Sitzung gestern habe ich ein paar Gesichter wiedererkannt. Es war ganz toll, Sabine wieder zu treffen!

Sabine Fink

Zum ersten Mal erlebe ich den Nebel im Mittelland.

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Apokalyptisch.

Und nur ein paar Meter über uns:

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Der Üetliberg.

Ich war die letzten Wochen nur wenig im Blog anzutreffen. Ich habe Donny jedoch recht intensiv mit seiner neuen Webseite geholfen. Phantastischer Schweizer Reggae. Jeden Montag neu:

Donny’s Webseite

und auch live im Radio:

Einfach auf den schwarzen ‚listen‘ Knopf drücken!

 

Im Glenner

Die letzte Woche war bestimmt von Jetlag und Vorbereitungen für mein erstes SNF Projekt. Zum Glück hat mir Mami geholfen. So konnte ich alles reibungslos erledigen während sie meine Wäsche wusch und auf Jacoby schaute.

 

Gestern ging es dann auf Laichfischfang. Es war streng und sehr schön. Der Glenner floss wild zwischen den Valser Steinen und das Herbstwetter sorgte für eine wundervolle Stimmung. Die Forellen liessen nicht auf sich warten. Auch im Ferrera Bach fanden wir später viele.

 

Ich möchte mich hiermit bei all den Fischern und den Wildhütern Arnold Caminada, Moritz Schmid, Gieri Derungs, Gion Bundi, Pirmina Caminada, Patric Ragettli, Thomas Durschei und Martin Cavegn für ihre grosse Hilfe bedanken. Und natürlich Roland, der wichtigste von allen! Wir werden noch viele gemeinsame Stunden verbringen…

 

Bei meinen Recherchen habe ich noch diese Webseite über Pirmina gefunden:

https://www.graubuenden.ch/de/regionen-entdecken/geschichten/pirmina-caminada-erste-wildhueterin-graubuendens

Es war mir eine grosse Freude, Pirmina gestern kennenzulernen!

 

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6 weeks in California

19th of October 2016 – What I got:

  • a visa stamp
  • a campus card
  • a student ID
  • an affordable apartment in the Bay area
  • a social security number
  • American health care for my family
  • an American bank account
  • a talk at UC Berkeley
  • a talk at UC Davis
  • a talk at WSL
  • getting to know the best microbial genomicists at a local conference
  • living in a van for more than 3 weeks
  • living without a car in California
  • PIT tagging a juvenile rainbow trout
  • Driving alone on a 4-lane American highway
  • getting the phone number of 4 new people I like
  • getting a key to my office
  • learning to recognize the most common plants and animals in this state
  • swimming in the Pacific Ocean
  • getting everything ready for my first own scientific experiment
  • finding a lab to do molecular genetic analyses during my fieldwork session.

Die leere Wohnung

Wenn Studenten und Mitarbeiter an der Uni Berkeley mindestens zwei Kinder haben und wenig verdienen, dann dürfen sie in einem sogenannten Dorf in Albany eine subventionierte Wohnung beziehen. Genau von so einer Wohnung haben wir seit 2 Jahren geträumt. Wir haben sie bekommen. Bereits 2.5 Wochen nachdem wir nach Kalifornien gekommen sind und in einem kleinen Transporter gewohnt haben. Eigentlich habe ich eine Email bekommen mit der Nachricht, dass wir sicher bis im Februar keine subventionierte Wohnung kriegen werden weil viele andere in der Warteliste bedeutend ärmer sind als wir. Nachdem ich aber persönlich mit der ganzen Familie bei den Wohnungsvermittlern im Büro aufgetaucht bin haben sie uns per sofort eine Wohnung angeboten. Klammerbemerkung: Hier in Kalifornien läuft sehr viel so. Es gibt viel Bürokratie zu erledigen aber wenn man persönlich vorbei schaut sind die Leute sehr freundlich und vor allem hilfreich. Jetzt haben wir also so eine Wohnung.

Was braucht man in einer leeren 3-Zimmer Wohnung? Der 50-jährige Mann und die 30-jährige Frau mit 2 Kleinkindern und einem unerwarteten Mitbewohner Mitte 20 sitzen in einer sauberen, leeren Wohnung. Mein Stipendium beinhaltet Familienbeiträge und wir haben Erspartes mitgebracht. Nun können wir die Wohnung füllen. Diese Situation ist spannend und aufregend. Sie beinhaltet aber auch viele Entscheidungen. Fast zu viele Entscheidungen. Was braucht man überhaupt in einer Wohnung um glücklich zu sein. Kann man das generalisieren? Was brauche ich jeden Tag? Einen Wasserkocher, einen Dampfgarer, ein Bett mit einer bequemen Matratze, einen Staubsauger. Das waren meine ersten Gedanken. Dann habe ich an Linnea gedacht. Spielsachen, ein Kajütenbett, Schränke für Spielsachen. Einen Kühlschrank, eine Badewanne, WC Papier, Internet, ein Bett – das sagt Donny. Nichts, ich brauche nichts. Das sagt der Mitbewohner. Ein paar Kartonschachteln. Das sagt der post-doc der nicht mit uns wohnt. Der durchschnittliche Schweizer mit Nationalfonds Geld, der sein Stipendium an der Uni verbringt. Oder ist das mein Gewissen?